Da ist er also, der zweite Strich auf dem Test. Während ich bei meiner ersten Schwangerschaft, trotz Kinderwunsch, einfach nur fassungslos auf den Test gestarrt und erst einmal vor Panik geweint habe, bin ich diesmal relativ entspannt. Ja, eigentlich freue ich mich. Irgendwie paradox, wo man doch weiß, was alles auf einen zukommt. Übelkeit, Müdigkeit, Rückenschmerzen, Sodbrennen, Ekel vor Gerüchen, Geburtsschmerzen, Geburtsverletzungen, Stillprobleme, durchwachte Nächte, Schlafmangel für viele weitere Jahre. Aber vielleicht ist es genau das: ich weiß jetzt, was auf mich zukommt. Ich fühle mich nicht mehr wie eine Schwimmerin inmitten des Meeres ohne Schutzweste oder Rettungsboot. Vielmehr fühle ich mich wie eine gut ausgestattete Frau auf einem Boot mit Survival-Kit und einem Rucksack voller Erfahrungen.

Ich hab es ja schon mal geschafft …

Immer wenn die Panik wieder in mir hochkommt, denke ich, es wird schon nicht schlimmer als beim ersten Kind. Denn da habe ich ja schon genug rund um die Geburt und die Zeit danach mitgenommen. Während ich damals im Kreißsaal dachte: „Nie wieder! Nie nie wieder“ denke ich jetzt nur noch: „Du hast es schon mal geschafft, du schaffst es noch mal. Außerdem ist es das letzte Mal“. Meine Mutter hatte es mir ja schon prophezeit. Als ich damals mit vollkommener Übelkeit mitten in der Pandemie auf der Couch vor mich hin vegetierte und meinte „Ein Kind reicht auch“, sagte sie jedes Mal: „Beim nächsten Mal ist es nicht so schlimm, du weißt dann, was auf dich zukommt“. „Was für ein Schwachsinn“, dachte ich damals. Jetzt weiß ich, was sie meinte.

Unfassbar müde

Aber während die Ängste geringer und die Vorfreude größer sind, ist die Anstrengung diesmal auf einem ganz neuen Level. Was waren das noch für Zeiten in der ersten Schwangerschaft. Netflix und Chill den ganzen Tag. Immer schlafen, wann man will und wie lange man will, beziehungsweise so lange wie körperlich möglich. Damals lernte ich für meine Heilpraktikerprüfung, aber das war es dann auch mit Verpflichtungen. Jetzt weckt mich meine Maus weiterhin mehrfach die Nacht und geht zum Glück in den Kindergarten, während ich meinen Kram erledige. Am Mittag fordert sie mich dann zu 100% und beschäftigt mich. Denn so sehr ich es mir auch wünsche, das Level „allein beschäftigen“ ist auch mit 3 Jahren noch nicht freigeschaltet. Also spiele ich mit ihr Kaufmannsladen und sie reicht mir freudig selbstgemachte Burger aus Brot, Käse und Fleisch, bei deren Anblick ich am liebsten erbrechen würde.

Als ich sie endlich vom Kaufmannsladen zum Kneten bewegen kann, merke ich, wie meine Augen beim Brezelnkneten immer schwerer und schwerer werden. Ich muss mich wirklich sehr konzentrieren, um nicht einzuschlafen. Am Abend bin ich einfach nur noch müder, als ich es vor der Schwangerschaft schon war, sodass mir nun schon um halb 9 statt um halb 10 die Augen zufallen.

Wieder schwanger – Was ist anders beim zweiten Kind?

Ein Kommentar zu „Wieder schwanger – Was ist anders beim zweiten Kind?

  • 20. März 2024 um 14:49 Uhr
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    Ja, genau so ist es.

    Und man versteht, warum das Konzept „Kernfamilie“ ein Problem darstellt. Frau braucht einfach Unterstützung;)

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