Disclaimer: Dieser Artikel spiegelt meine ganz persönliche Meinung wieder.

Da ich aus bekannten Gründen, so langsam die Nase voll habe von Bobo, ließ ich mich von der Büchereiangestellten dazu überreden doch ein mal den „Leo Lausemaus“ Tonie auszuleihen. Ich sage „überreden“ da es schon beim Ausleihen des Tonies irgendwo tief in mir klingelte bei dem Namen „Leo Lausemaus“. Irgendwo hatte ich mal etwas über die kleine Maus gelesen und das war nichts Gutes. Doch die Bewertungen im Internet sprechen für sich. Alle scheinen Leo zu lieben. Und nach drei Monaten Bobo am Abend gebe ich jedem eine Chance.

Heute Abend stellt meine Kleine also zum ersten Mal den Leo Lausemaus Tonie auf die Toniebox. Wir legen uns gemeinsam in ihr Bett und die Geschichte beginnt. Leo Lausemaus sieht draußen den Schnee fallen und steht freudestrahlend am Fenster. Gerne würde er weiter den Schnee beobachten. Doch Seine Mutter hat andere Pläne. Jetzt heißt es: Hände waschen und dann Mittagessen. Wieso sie es so eilig hat, erschließt sich mir nicht. Es gibt weder dringende Anschlusstermine noch wird die Möhrensuppe in drei Minuten ungenießbar.

Es zählt nur der Wille der Mutter

Doch im Hause Lausemaus zählt nur eins, der Wille der Mutter. Gegen seinen Willen zieht sie Leo erst ans Waschbecken und steckt ihn dann in den Hochstuhl. Im Hochstuhl fest gesteckt möchte Leo die Suppe nicht essen. Auch eine alternative Suppe mag er nicht. Immer wieder sagt Leo, dass er das alles nicht will. Doch die Mutter juckt es leider nicht anstatt nach einem Kompromiss zu suchen, wiederholt sie immer wieder was Leo zu tun hat. Was sollen Kinder hier lernen? Dass man immer machen muss was die Eltern sagen? Dass die eigene Meinung nichts zählt? Dass man alles mit sich machen lassen muss? Auch der Erzähler steht ganz klar auf der Seite der Mutter und berichtet völlig erbost, dass Leo nun aus dem Hochstuhl raus geklettert ist.

Sprüche wie aus meiner Kindheit

Die Geschichte läuft seit 3 Minuten und ich will jetzt schon ausmachen. Was mich davon abhält, sind die sich langsam schließenden Augen meiner Tochter. Ein Aufwachen will ich nicht riskieren. Außerdem bin ich gespannt was Frau Lausemaus für weitere pädagogisch fragwürdige Erziehungsmaßnahmen anwendet. Leo ist aufgrund seiner wütenden Mutter inzwischen in sein Zimmer abgehauen, wo ihm die Mutter den Tipp gibt, er solle doch mal über die armen Tiere da draußen nach denken die nichts zu essen haben. Ich muss lachen. Auch wenn meine Eltern mich weit aus liebevoller erzogen haben als Frau Lausemaus ihren Leo, gab es doch einen Satz aus meiner Kindheit, den ich mir regelmäßig anhören musste: „Die armen Kinder in Afrika, die wären froh wenn sie ein ( – hier beliebiges gesundes ökologisch hochwertiges Gericht einfügen -) hätten!“. Der Satz scheint mir aus heutiger Sicht auf so vielen Ebenen fragwürdig, dass ich gar nicht weiß wo ich anfangen soll. Doch während ich mir damals dachte: Den afrikanischen Kindern schmeckt eure Brokkolisuppe bestimmt genauso wenig wie mir, scheint das Argument bei Leo zu ziehen und er sitzt besorgt in seinem Zimmer.

Kurze Zeit später steht auch schon das erste hungrige Tier vor seinem Fenster. Sein Freund Grille, der die Möhrensuppe natürlich begeistert futtert. Natürlich erst nach dem er einen Anschiss von Frau Lausemaus erhält, weil er sich wieder keine Vorräte für den Winter angelegt hat, und so bestimmt bald verhungere. Ja die gute Frau Lausemaus, sie zeigt sich auch bei Leos Freunden von ihrer besten Seite.

Alles, aber nicht bedürfnisorientiert

Meine Tochter ist eingeschlafen. Ich stelle den Tonie fassungslos von der Box runter. In der ganzen Handlung gab es bisher noch nicht ein liebevolles Wort von Frau Lausemaus an ihren Sohn. Nicht einmal wurde er in seinen Bedürfnissen ernst genommen, statt dessen wird sein Wille durchgehend gebrochen und er darf sich einen doofen Spruch nach dem anderen anhören. Was für uns damals der Struwelpeter war, ist wohl für die heutigen Kinder Leo Lausemaus. Vermutlich soll Leos Verhalten abschreckend wirken – denn ganz offensichtlich führt es zu Liebesentzug durch die Mutter. Am Ende des Tages gibt es nur eine Message: Mach was Mama sagt, dann hat sie dich lieb. Ich halte es nicht mehr aus. Was wird es morgen für eine Wohltat, wenn die liebe Frau Siebenschläfer wieder Quatsch mit ihrem süßen Bobo macht.

Das einzig Positive, was ich der Geschichte noch abgewinnen kann, ist, dass ich mein eigenes Verhalten noch mehr hinterfrage. Denn auch wenn mir sicher schon mal der ein oder andere Spruch von Frau Lausemaus über die Lippen gerutscht ist, so werde ich doch alles tun, um nicht so zu werden wie sie.

Weitere Infos:

Bei der Recherche zu meinem Artikel habe ich neben vielen positiven Rezensionen über Leo auch noch ein paar kritische Stimmen gefunden, eine davon findet ihr hier:

https://www.funkenflugcoaching.de/leolausemaus/

Erfreulicherweise scheinen die Bücher von Leo Lausemaus inzwischen überarbeitet zu sein und zeichnen nun ein ganz neues Bild vom Zusammenleben bei den Lausemäusen. Einen Blog der sich damit beschäftigt findet ihr hier: https://schatzenkind.de/ueberarbeitete-neuausgabe-leo-lausemaus-hat-schlechte-laune

Leo Lausemaus – Die schwarze Pädagogik der Neuzeit

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