Seit 3 Wochen versuchen wir das Kind zumindest tagsüber von der Flasche weg zu bekommen. Schließlich sollte man mit 16 Monaten und 16 Zähnen langsam bereit sein für festes Essen. Nach einem längeren Gespräch mit der Kinderärztin nehmen wir es nun in Angriff. Ich fühle mich ein bisschen als müsste ich einen Suchti weg von der Nadel bekommen.

Nach inzwischen 21 Tagen haben wir schon große Fortschritte gemacht, doch noch immer steht die Barfußpiratin täglich mindestens einmal mit riesigen Krokodilstränen vor den Flaschen in der Küche und ruft weinend und voller Empörung: „Mamamamama.“

Stur so stur

Heute ist wieder so ein Tag, der nicht so gut läuft. Ich biete ihr eine Alternative nach der anderen, eigentlich jede Sache die sie jemals gegessen hat und sie schleudert mir eins ums andere empört entgegen. Dann beschließt sie einfach zu fasten. So vergeht der Tag und die Barfußpiraten isst halt eben nichts. Ehe sie am späten Nachmittag nach drei weiteren Dramen, widerwillig ein Ei und einen halben Einback isst. Das scheint zu reichen. Schließlich gibt es vor dem Schlafen ja eine heißgeliebte Milch und wenn man Mama und Papa um 7 vorspielt gaaaanz müde zu sein, bekommt man vielleicht sogar um 7 eine Milch, und wenn man dann wirklich ins Bett geht um halb 10 noch eine. Denn dann sind Mama und Papa so durch dass sie eh alles machen. Dann nachts noch eine kleine Milchi und schon hat man drei Milch zusammen.

Nun sitzt sie also wieder weinend vor mir. Seit 14 Stunden nichts gegessen und ich frage mich wie man so hartnäckig sein kann. Was spricht denn dagegen einfach mal eine Banane, Joghurt oder Brot zu essen wenn man Hunger hat. Ich bin inzwischen total fertig mit den Nerven und muss mich beherrschen ihr nicht: „Ess doch irgendwas anderes. Wie kann man so stur sein?“ entgegen zu brüllen.

Die Geschichte mit dem Trinkpäckchen

Dann fällt mir die Geschichte mit dem Trinkpäckchen ein und es fällt mir wie Schuppen von den Augen. Lange ist es her. Ich war damals vielleicht 6 Jahre alt und im Ferienlager. Schon am ersten Tag stellte ich mit Erschrecken fest, dass es nur Kakao und Tee zum trinken gab. Was ist das für eine Frechheit? Tee??? Kakao??? Und morgens Brötchen mit Nutella oder Marmelade. Widerlich! Wo war meine Salami? Und meine Kekse auf dem Brot? Ich aß und trank also einfach nichts. Am Abend wurden wir abgeholt und ich konnte in Ruhe essen und trinken was ich wollte. Am nächsten Tag nahm ich mir eine Trinkflasche mit.

An einem Tag, meine Flasche war bereits leer, wurde mir plötzlich klar, dass wir diese Nacht im Lager übernachten würden. Irgendwie hatte ich gedacht wir kämen zwischenzeitlich noch einmal nach Hause. Langsam wurde ich durstig. Zum Glück hatte ich bei einem Spiel eine Capri Sonne gewonnen. Die teilte ich mir nun also ein und schaffte es trotz großem Durst nicht alles auf einmal zu trinken. Die ganze Nacht war ich damit beschäftigt mir zu überlegen wie ich mit 0,2 l bis zum nächsten Morgen durch komme. Mein Hals war schon rau. Doch NIE wirklich auf gar KEINEN FALL würde ich den Tee oder den Kakao anfassen. Irgendwie schaffte ich es bis zum Morgen und fieberte der Heimfahrt entgegen.

Nach dem Frühstück (bei dem ich natürlich nichts aß – es gab ja immer noch keine Salami oder Kekse) die Ernüchterung: wir werden erst abends abgeholt. Ich überlegte eine Millisekunde den ekligen Tee zu trinken. Nein das kam nicht in Frage. Kakao sowieso nicht. Mit Milch konnte man mich jagen. Also zog ich trotz 30 Grad durch bis zum Abend. Wo ich dann zuhause einen Liter Apfelschorle trank und zufrieden ins Bett ging.

Nun ja „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“, würde ich sagen.

Milchentzug und die Sache dem Trinkpäckchen

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