Stress in der Musikschule


Es ist Dienstagmorgen 10:00 Uhr ich sitze mit meiner Kleinen in der Musikschule. Wobei sitzen ist das falsche Wort ist. Denn im Prinzip stehe ich oder ich renne. So wie ich überhaupt nur noch renne seit mein Kind laufen kann.

Ich schaue mich um. Alle anderen Kinder sitzen brav auf Mamas Arm und klatschen mit ihren kleinen Händchen in die Trommel. Haben die denen vorher Schlafmittel gegeben? Meine Tochter findet alles spannend. Die Matten auf dem Boden, die Taschen am Rand, die Trommeln der anderen Kinder, den Zettel der Kursleiterin . . . einfach alles außer ihrer Trommel. Ich halte sie an der Latzhose fest und versuche sie irgendwie zu motivieren bei mir zu bleiben. Doch ich habe keine Chance. Bisher hat sie immerhin nicht geschrien, sondern läuft nur an ihrer Latzhose nach vorne und zur Seite wie ein Hund an einer Leine. Sie findet es scheinbar lustig, und ich denke mir, dass ihr diese supersüße Hose wenn sie so weiter macht, auch in 3 Jahren noch passt. Die Kursleiterin sieht zu mir rüber: „Die Kinder können ruhig rum laufen“. Also lasse ich sie los. Wie ein kleiner Welpe rennt sie durch den Raum und nimmt alles auseinander, während die Leiterin mit den anderen Mamas und ihren Sitzkindern einen Kanon im 3/4 Takt singt.

Nach 10 Minuten schnappe ich sie mir und wir verlassen fluchtartig den Raum. Ich kann nicht mehr. Ich fühle mich wie eine Versager-Mama. Vermutlich denken die anderen, ich habe ein total unerzogenes, freches Kind. Von Selbstzweifel geplagt laufe ich mit ihr auf dem Arm bei 30 Grad und Sonne durch den Ort. Der Kinderwagen steht leider noch im abgeschlossenen Hof, und meine Freundin ist mit ihrem Sohn weiter fröhlich am musizieren. Bin ich nicht streng genug? Wieso ist mein Kind so agil? Nun rennt sie strahlend über den nächstgelegenen Parkplatz und sortiert Steine, begutachtet Autos und Fahrräder zeigt mit ihren kleinen Fingerchen auf Vögel und freut sich des Lebens. In Situationen wie in der Musikschule sehne ich mich nach einem Sitzkind.

Mache ich etwas falsch?


Kinder von denen ich früher nicht wusste dass es sie gab. Kinder die auf dem Schoß sitzen bleiben, im Planschbecken, im Kinderwagen, im Einkaufswagen, auf einer Picknickdecke . . . Ja eigentlich überall. Im Prinzip setzt man sie irgendwo ab und da bleiben sie dann. Gut manche bewegen sich auch irgendwann.. Dann aber meist nur in einem kleinen Radius und sehr langsam.

Meist geht es schon früh los. Während die einen mit einem halben Jahr schon irgendwie nach vorne kommen sei es durch krabbeln, rollen oder robben und bereits die ersten Sachen aus den Schränken räumen, sitzen die Sitzkinder wahlweise auf einer Decke oder im Laufstall. Wobei ich mich frage für was sie den überhaupt brauchen, denn sie bewegen sich eh nicht fort.
Die agilen Kinder hingegen rasten schon im frühen Alter im Laufstall aus, schließlich müssen sie die Welt erkunden und haben keine Zeit zu verschwenden.

Kinder sind unterschiedlich

Während Mütter von Sitzkindern das Leben mit Kleinkind oft als wunderschön und entspannt bezeichnen, ihren kleinen Mäusen schicke Sachen anziehen und schöne Fotos von ihnen machen, sind Mütter von agilen Kindern die meiste Zeit des Tages fix und alle. Sie haben Mittags schon tausende von Schritten hinter sich und warten sehnlichst auf den Mittagsschlaf und einen Moment der Ruhe. Ihr Kind ist nicht nur das süßeste und wertvollste in ihrem Leben sondern auch ein Fitnessgerät und eine ständige Forderung für ihre Nerven.

Während die Sitzkinder oft den ganzen Tag in einem schön auf einander abgestimmten Outfit rumsitzen, hat mein agiles Kind am Mittag oft schon das dritte Outfit am Tag an, weil es wahlweise irgend eine Gießkanne über sich gekippt oder die Erdbeeren aus dem Kühlschrank gezogen und sich darin gesuhlt hat. Während ich entweder für 2 Minuten bei der Wäsche war oder dem ganzen Drama einfach nur wortlos zugesehen habe und mir dachte: Aber immerhin ist sie beschäftigt und ich kann 2 Minuten sitzen!

Von Sitzkindern und agilen Kindern

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