Es ist 23 Uhr. Ich liege im Bett. Schon vor einer halben Stunde wurde meine Tochter das erste Mal wach und liegt sei dem neben mir. Mein Mann liegt auf der Couch. Denn heute habe ich Nachtschicht. Wir sind nach kompletter Übermüdung beiderseits nun bei einem relativ gut funktionierenden Wechselmodell gelandet. So bekommt jeder immerhin in zwei Nächten zusammen addiert circa 60-70% des Schlafes von der Zeit vor dem Kind. Was im Vergleich zu den 30-40% vor dem Wechselmodell echt gut ist, aber lange nicht ausreicht um auch nur ansatzweise fit zu sein.

Oh nein! Der Sandkasten ist offen . . .

Die Tür zwischen Schlafzimmer und Terrasse ist offen, der Rollladen auf halber Höhe. Noch ein Vorteil des Wechselmodells. Jeder kann so lüften wie er möchte! Dem Kind ist es offensichtlich egal ob es 25 oder 20 Grad im Schlafzimmer sind, es schläft so oder so schlecht. Ich höre ein verräterisches Knistern von draußen. „Scheiße! Das Dach vom Sandkasten ist noch offen.“ Ich überlege wie ich es nun schaffe, aus dem Bett zu kriechen, ohne dass meine Tochter, die ich nach 20 Minuten juckeln und Beschallung mit weißem Rauschen endlich wieder in den Schlaf verfrachtet habe, wach wird. Gleichzeitig ärgere ich mich. Denn ich bin mir zu 99,9% sicher, dass mein Mann sich von der Erkenntnis des offenen Sandkastens überhaupt nicht beeindrucken lassen würde. Er würde sich umdrehen und weiter schlafen. Ich hingegen sehe schon wie die Nachbarskatzen – und das sind viele – in den Sandkasten kacken.

Stress!

Wieso ist das so? Wieso ist er immer so entspannt und ich hab diese 100 Sachen auf dem Schirm? Wieso kann ich mich nicht einfach umdrehen und auf die Katzenkacke scheißen? Immerhin habe ich mich auch mit der Patina inzwischen abgefunden. Was ich in der Schwangerschaft nie für möglich gehalten hätte. Meinem Mann ist es auch egal ob abends noch Spielzeug im Wohnzimmer liegt, oder ob die Wäsche überläuft oder nichts mehr zum Essen im Kühlschrank ist – dann kann man ja immer noch Nudeln essen. Mich hingegen stresst das alles.

Ich versuche es wie mein Mann zu machen. Ich bleibe einfach im Bett. Ich atme tief ein und aus in der Hoffnung, das Dach vom Sandkasten einfach zu vergessen. Doch statt dessen erinnere ich mich an eine Folge Dr. House in der ein Kind durch Katzenkacke im Sandkasten schwer krank wurde. Ich stehe also auf und schleiche mich raus. Ziehe den Rollladen ganz vorsichtig hoch um durch das Fliegengitter nach draußen zu kommen. Mache alles ganz leise und bedacht. Zurück im Schlafzimmer blicke ich aufs Bett – das Kind schläft noch! Jackpot. Der Sand an meinen Füßen verteilt sich im Bett, aber das ist mir nun auch egal. Ich lege mich neben sie. Voller stolz mein Kind vor der Toxoplasmose gerettet zu haben. Noch schnell die Schlafmaske auf und weiter… da sitzt das Kind auch schon wieder hellwach neben mir und klatscht. Na immerhin bekomme ich Applaus für meinen nächtlichen Einsatz.

Katzenkacke im Sandkasten oder Schlaf?

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