Die ersten 4 Monate mit Baby sind vorbei und es ist Zeit ein kleines Resumee zu ziehen. Tja wie ist es nun für mich Mama zu sein? In erster Linie anstrengend. Viel anstrengender als gedacht. In den letzten Wochen habe ich viele Mütter getroffen die sich in allem einig sind: Die Umstellung auf ein Baby ist viel größer als die auf 2 oder gar 3 Kindern.

Mama sein ist ein 24-Stunden-Job

Als ich am Freitagabend ins Bett gegangen bin, dachte ich mir: „Juhu endlich Wochenende!“, doch dann hat mich die Realität hart gekickt. Denn auf einmal wurde mir klar, dass es kein Wochenende vom „Mama-sein“ gibt. Wochenende heißt nicht mehr lange schlafen, rumlümmeln und Netflix gucken. Nein Wochenende, heißt genauso nachts aufstehen und das Baby versorgen und morgens (wenn es gut läuft) die Nacht zwischen 7 und 8 für beendet erklären. Doch trotzdem mag ich das Wochenende denn irgendwie ist die Versorgung eines Babys dann zu zweit doch sehr viel einfacher als mit einem Vollzeit-arbeitenden Mann.

Mama sein heißt sich als Paar neu finden

Manchmal vergeht ein ganzer Tag ehe ich merke: Ich habe heute noch nicht einmal meinen Mann umarmt oder geküsst. Nicht weil ich ihn weniger liebe als vorher, im Gegenteil, nein weil ich den Kopf bei tausend anderen Sachen habe und die meisten Gespräche sich um die Versorgung des Babys drehen. Die Beziehung ist eine andere geworden, während wir vorher rund um die Uhr Zeit für uns zwei hatten, sind es jetzt ein paar Minuten am Tag in denen wir meisten dann doch lieber schlafen als zu reden oder zu kuscheln. Trotzdem fühle ich mich ihm näher als früher denn auf einmal sind wir ein richtiges Team. Wir erkennen wenn der andere eine Pause braucht, greifen uns unter die Arme wollen beide das Beste für unser Baby und sind uns dabei überraschender weise in 95% der Ansichten einig. Wir ergänzen uns wie Puzzleteile.

Mama sein heißt pragmatisch sein.

Zum Glück war ich schon immer ein pragmatischer Mensch. Ich glaube Pragmatismus ist eine große Ressource im Umgang mit dem Baby. Der Pragmatismus hilft mir die Dinge nicht so eng zu sehen und macht so das Leben für alle leichter. Ich mache mich nicht mehr verrückt und habe dem Perfektionismus abgeschworen. Wenn ich den Schnuller vom Boden aufhebe und dem Baby in den Mund stecke, wird es nicht sterben. Ich ziehe dem Baby irgendwas neues an wenn das alte Outfit eingenässt ist, egal wie es aussieht, ich nehme sie flott mit unter die Dusche wenn ich kein Bock auf eine stundenlange Badeorgie habe, ich ziehe ihr nachts eine größere Windel an, damit ich weniger wickeln muss, ich nehme sie einfach unterm Arm mit zur Waschmachine wenn sie keine Lust hat im Laufstall auf mich zu warten, ich putze meine Zähne wenn ich gerade Zeit dafür habe, ich ziehe ihr ab 24 Grad keine Socken mehr an weil sie die sowieso wieder verliert, ich hol sie morgens ins Bett wenn ich keine Lust hab drei mal zu ihr rüber zu laufen um ihr den Schnuller in den Mund zu schieben.

Mama sein heißt auch sich über viele Sachen keine Gedanken mehr zu machen.

Das kann befreiend sein. Ich weiß noch wie ich im Wochenbett auf der Couch lag und mich völlig entsetzt gefragt habe, wie sich mein Gehirn monatelang mit dieser Pandemie beschäftigen konnte, die mit der Geburt meines Babys plötzlich zur Nebensache wurde. An einem anderen Tag im Wochenbett habe ich nach Wochen das erste mal wieder den Fernsehen angemacht. Dort war ein Paar mittleren Altes zu sehen, die sich ein Aufräum-Expertin ins Haus geholt haben weil die Küche so unordentlich war. Ich habe absolut nichts unordentliches in dieser Küche gesehen. Dann begann die Expertin Nudeln und Reis in extra Gläser zu füllen damit die Packungen im Schrank nicht so unordentlich aussehen. Mein Gehirn explodierte, wie kann man seine freie Zeit mit so etwas verbringen, anstatt zu schlafen oder zu telefonieren oder zu duschen. Dann fiel mit ein, dass ich noch vor ein paar Wochen auf die selbe Idee hätte kommen können.

Mama sein heißt stark sein.

Denn egal was schlimmes kommt, rein körperlich gesehen kann eigentlich nichts an den Geburtsschmerz heran reichen. Es ist als wäre man über Nacht Superwoman geworden. Gerade zu lächerlich kommt mir meine frühere Angst vor ärztlichen Untersuchungen vor. Aber auch wenn man irgendwie eine neue Superkraft bekommen hat, reicht die auch nicht immer aus. Denn Mama-Sein ist ein rund-um-die-Uhr-Job. Während man sich früher bei PMS gemütlich unter die Decke gekuschelt, Netflix geguckt und ne Runde geweint hat, bis alles wieder gut war, kann man nun mit Tränen in den Augen dem Baby ein Schlaflied singen und es wickeln und sich dabei schlecht fühlen. Aber wieso überhaupt schlecht fühlen? Nur weil man Mama ist, hat man doch nicht plötzlich sein Recht auf negative Emotionen oder Schwäche abgegeben?

Genauso schlimm ist es wenn mit körperlichen Schmerzen. Während man sich früher mit Schmerzen ausgeruht hatte bis man sich wieder fit fühlte, wartet nun ein kleines Lebewesen darauf versorgt zu werden und das 24/7 und diesem Lebewesen ist egal ob du Schmerzen bei jedem Schritt hast oder nicht, denn es versteht ja nicht was los ist.

Mama sein heißt den Abend zu genießen… bis 21 Uhr.

Noch nie war es so geil abends auf der Couch zu liegen. Das Baby liegt im Bett und schlummert und man hat einfach mal für ein paar wenige Stunden seine Ruhe. Eigentlich die perfekte Zeit sein altes Leben mit Netflix und Chips wieder aufleben zu lassen. Wäre da nur nicht die Müdigkeit. Denn die meisten Baby sind Frühaufsteher. Um also überhaupt zu Schlaf zu kommen, sollte man rechtzeitig ins Bett gehen. Da erinnere ich mich an den Whatsapp-Dialog mit einer Freundin (auch Mama) den ich um circa 21:30Uhr mit den Worten: „ich muss ins Bett, es ist schon wieder viel zu spät!“ beendet habe, worauf hin sie schrieb: „Oh Gott du hast recht, gute Nacht!“ Im Prinzip steht man als Mama jeden Abend vor der entscheidenden Frage: eigenes Leben oder Schlaf? Meist gewinnt der Schlaf.

Mama sein ist jede Minute anders

Gerade noch hast du dich gefragt wie su do dumm sein konnte ein Kind zu bekommen. Hast das schreinde Kind zum zehnten mal den Flur auf und abgetragen, fragst sich wann man sich das letzte mal die Haare gewaschen oder was getrunken hast und würdest am liebsten tot umfallen. Da schläft das süße kleine Wesen in deinen Arm und du fragst dich was dein Leben vor dem Kind überhaupt aus gemacht hat. Dir ist plötzlich bewusst, dass es nichts in deinem Leben gibt was wertvoller, schöner oder bedeutender ist als dieses kleine Wesen und während dir noch die Tränen der Rührung die Wangen herunter laufen, erwacht das süße kleine Ding und schreit wieder und die Gedanken starten von vorne.

Wie ist es Mama zu sein?

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