Ich presse und presse. Presse mir die Seele aus dem Leib, doch es passiert einfach nichts mehr. Immer wieder verschwindet die Hebamme zwischen drin. Scheinbar hat sie auch die Hoffnung aufgegeben, das hier demnächst etwas passieren wird. Oder sie muss in dem überfüllten Krankenhaus mehrere Geburten parallel managen. Nach bald einer Stunde Pressen bei jeder Wehe beschließe ich immer wieder Wehen zu veratmen anders halte ich es nicht aus. Immer wieder kommt die Hebamme und versucht andere Geburtspositionen aus. Ich mache alles mit, hauptsache der Schmerz hat ein Ende. Mein Mann guckt immer mal wieder aus dem Fenster und sagt: „Es schneit.“, das einzige was irgendwie beruhigend ist in dieser Nacht.

Nichts passiert

Wenn ich die Augen öffne gucke ich aufs CTG und sehe Wehe für Wehe kommen oder ich gucke auf die Uhr und frage mich wie viel Stunden das Drama noch geht. „Um 1 Uhr ist sie da“, denke ich um 00:20. „Um 2 Uhr ist sie da“ denke ich um 1:40, um „3 Uhr ist sie da“ denke ich um 2:27. Ehe ich die Hoffnung verliere. „Schneidet das Baby aus mir raus“, rufe ich immer mal wieder. Irgendwann, keine Ahnung um wie viel Uhr fragt mich die Hebamme ob ich nicht mal auf Toilette gehen will. Denn nach dem sie mir zum hundertsten Mal gezeigt hat wo ich hin pressen soll und ich zum hundertsten Mal gesagt habe, dass ich dort außer Druck nichts spüre kommt sie zu der Erkenntnis „Die Blase ist voll.“ Ich gehe Richtung Toilette und weiß schon jetzt das wird nichts. Alles in mir ist ein einziger Krampf nie wird auch nur ein Tropfen Urin aus mir kommen. Auf dem Weg von der Toilette zurück zur Liege sehe ich die Situation plötzlich wie von oben. „Dass der Kreißsaal eine Schlachtbank ist sagt einem vorher auch niemand“, denke ich und schleppe mich zurück auf die Liege. Ich sage der Hebamme das es nicht geklappt hat. Sie überlegt kurz einen Katheter zu holen, verwirft die Idee aber wieder. Im Nachhinein vielleicht ein Fehler. Aber später ist man ja immer schlauer. „Ich verstehe es nicht. Das Baby hat Platz, es geht ihm gut, aber es kommt einfach nicht raus.“, sagt die erfahrene Hebamme verzweifelt.

Das Baby will nicht raus

Inzwischen ist sie fast dauerhaft bei uns und denkt sich die interessantesten Positionen aus. Drückt dabei Akkupunkturpunkte, wirft mir Kügelchen ein und zermartert sich den Kopf wie sie das Baby aus mir raus bekommen soll. Immerhin dem Baby geht es durchgehend gut. Die meiste Zeit liegt es glücklich in seiner Fruchtblase, ehe die Hebamme sie irgendwann zersticht in de Hoffnung die Geburt so voran zu treiben. Doch auch das bringt nichts. Schließlich hängt sie mir einen Wehentropf an. Ein Traum so ein Wehentropf ohne PDA. Ich gucke gar nicht erst wann er losfließt. Mir ist eh alles egal. Und wenn gleich einer ein Messer holt und mir ohne Betäubung das Kind aus dem Bauch schneidet. Hauptsache es hat ein Ende

Geburtsbericht Teil 5

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