Geburtsbericht Teil 1 findest du hier.

Inzwischen kenne ich die ganze Prozedur im Krankenhaus. Ich lasse noch einmal die unangenehme Untersuchung über mich ergehen. Seltsamerweise schmerzt es diesmal kaum, was mich sehr erleichtert. Schnell kommt die Hebamme zu dem Ergebnis: „Der Muttermund ist komplett geschlossen.“ Das widerum erleichtert mich nicht. Wie kann das sein, wo ich solche Schmerzen habe? Auf dem CTG seien „ein paar Wehen“ zu sehen. Die Hebamme fragt mich ob ich wieder nach Hause möchte oder da bleiben will. Ich denke, die spinnt doch, ich verlasse den Laden hier nicht, ehe mein Baby da ist.

„Wir gucken dann morgen früh mal nach ihnen…“

Also geht es, wie das zu Corona-Zeiten nun mal eben so ist, weiter mit einem Corona-Schnelltest und einen Corona-PCR Test für mich. Der Test in der Nase ist unangenehm, aber es freut mich, dass er mich für ein paar Sekunden von den Bauchschmerzen ablenkt. Es folgen Blutabnahme und Zugang legen. Ich frage nach irgendwelchen Mitteln gegen die Schmerzen und bekomme über den Zugang Spascupreel und noch ein Mittel dessen Name ich vergessen habe. Danach soll ich auf die Wochenbettstation. „Was ist denn mit meinem Mann?“, frage ich beunruhigt. Der sitzt immer noch draußen im eiskalten Auto, da er erst in den Kreißsaal mit darf. „Ach schicken sie den nach Hause, vor morgen früh gibt das nichts mit dem Baby.“ Ich überlege, wie ich so lange noch diese Schmerzen ertragen soll. „Und wann gibt es die PDA?“, frage ich Hilfe suchend. „Da müssen sie erst mal ein paar Zentimeter schaffen“, lacht die Hebamme und schickt mich auf die Station. „Jetzt gehen sie erst mal auf die Station und wir gucken morgen früh mal nach ihnen.“

„Es weht sich so langsam ein“

Es ist inzwischen etwa 21 Uhr und ich frage mich, wie ich bis „morgen früh“ überleben soll. Voller Schmerzen schleppe ich mich mit meinem Koffer Richtung Station. „Die Frau Dötsch hat ja doch schon Wehen“, sagt die Stationsschwester. „Och ja, es weht sich mal so langsam ein“, antwortet die Hebamme. Ich werde in einen Raum geschickt in dem ich auf mein Bett warte. Es sind nur noch 3-Bett-Zimmer frei, da die Klinik wegen Corona komplett überfüllt ist. Aber das ist mir auch alles egal. Ich will nur noch, dass der Schmerz ein Ende nimmt. Schließlich gehe ich auf mein Zimmer. Der Raum ist dunkel. Zwei frisch gebackene Mamis versuchen ihre Säuglinge zu beruhigen. Die haben es schon geschafft, denke ich verzweifelt. Im gedämmten Licht ziehe ich mir meine Schlabberhose an und wechsle meine Schuhe in Krankenhauslatschen.

Auf dem Weg zum Kreißsaal

Ich möchte die Mamis nicht stören und gehe über den Flur. Angeblich hilft laufen ja. Allerdings gehe ich nicht, sondern ich krieche eher. Immer wieder bleibe ich stehen und krümme mich und atme. Die Schwester findet mich. „Frau Dötsch, gehen sie mal in den Kreißsaal und lassen sich härtere Schmerzmittel geben. Wie wollen sie sonst morgen früh Kraft haben, wenn die richtigen Wehen losgehen?“ Die richtigen Wehen? Will sie mich verarschen? Ich habe richtige Wehen.

Ich krieche ihr hinterher in den Kreißsaal. Dort angekommen schickt mich die Hebamme in einen Entbindungsraum. Ich sacke auf dem Sofa zusammen und versuche weiter zu atmen bis jemand kommt und nach mir sieht.

Geburtsbericht Teil 2

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