Eine Woche auf der Couch ist nun vorüber und ich fühle mich mehr und mehr wie ein menschlicher Brutkasten. Ich liege hier nehme Unmengen an Magnesium und Eisen und mache alles, damit das kleine Baby in mir gut versorgt ist. Es ist, als habe man mir das letzte Stück Freiheit, das es zu Corona überhaupt noch gibt, genommen. Wie gerne würde ich jetzt die Küche putzen, den Keller ausmisten, das Babyzimmer weiter einrichten oder auch einfach nur im Wohnzimmer Staub wischen. Stattdessen liege ich hier und brüte mein Ei aus.

Von dem Wunsch ein Pinguin zu sein

„Viel lieber wäre ich ein Pinguin, würde ein Ei legen und das dann gemeinschaftlich mit euch allen ausbrüten.“ sage ich zu meinem Vater. Die Vorstellung das kleine Wesen nicht alleine auszubrüten, ist einfach traumhaft. „Klar, wer liegt schon gerne auf der Couch, wenn er genauso gut bei minus 35 Grad in der Antarktis auf einem Ei sitzen könnte? Und ständig Stress dabei hat genug Essen für den Nachwuchs anzukarren?“, fragt mich mein Vater. Ich gucke aus dem Fenster und sehe den Schnee. Vielleicht hat er gar nicht so Unrecht.

Die ersten Tage auf der Couch sind wirklich hart. Neben Rückenschmerzen und Langeweile quälen mich natürlich auch die Sorgen um das Baby. Denn schließlich ist der Bauch ja zu dünn und der Kopf zu groß.

An einem Mittag sehe ich eine Doku über Helikopter-Eltern im Fernsehen. Dort regt man sich darüber auf, dass die Eltern heutzutage alle so übervorsichtig sind. Ich kann verstehen, dass Eltern, die ihre Kinder jeden Morgen mit dem SUV vor die Grundschule fahren, nerven. Allerdings wurde in der Doku nicht einmal hinterfragt, wieso die Eltern auf einmal so viel Angst um ihre Kinder haben. Denn wenn ich schon in der Schwangerschaft ständig suggeriert bekomme, mein Kind sei in Lebensgefahr, weil ich nicht genug Eisen, Magnesium oder Folsäure nehme, oder sein Bauch ein paar Millimeter zu klein ist, wie soll ich diese Angst dann ab der Geburt wieder ablegen?

Schwangerschaftsblog Teil 18 – Ich bin ein menschlicher Brutkasten

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