Nachdem wir den ersten Babyeinkauf, mehr oder weniger erfolgreich überlebt haben und mit den größeren Investitionen so weit durch sind, geht es nun an die Feinheiten.

Wir machen uns auf den Weg in den Drogeriemarkt. Wie immer haben wir keine Ahnung was wir brauchen. Doch zum Glück gibt es ja die fragwürdige Schwangerschafts-App, die ich nach anfänglichem Wutausbruch, nun doch wieder auf meinem Handy installiert habe. Das alleine zeigt schon, wie groß meine Verzweiflung ist. Mein Mann stürmt in den Laden und biegt direkt Richtung Fläschchen ab. Ich dachte bisher, wenn man vorhat zu stillen bräuchte man überhaupt kein Fläschchen, doch meine Mutter hat mich eines Besseren belehrt: „Das ist schon gut für Tee … Oder, wenn es mit dem Stillen nicht direkt klappt….“ Während er sämtliche Flaschen studiert stehe ich vor einem mir bis dato völlig unbekannten Objekt: Stilleinlagen.

Ich fühle mich, wie mit 13 als ich das erste Mal Binden kaufen war und überhaupt keine Ahnung hatte auf was man dabei achten muss. Verzweifelt blicke ich ins Regal. Gott sei Dank gibt es nur circa sechs, und nicht wie bei den Binden um die 30, verschieden Sorten zur Auswahl. Nimmt man ein Mehrweg-Produkt oder ein Einweg-Produkt? Auf der einen Seite will man ja ökologisch sein, auf der anderen hat man im Wochenbett sicher besseres zu tun, als auch noch rund um die Uhr Stilleinlagen zu waschen. Ich entscheide mich für ein günstiges Einweg-Produkt und suche meinen Mann.

Von der Saugverwirrung bis zur Öko-Ecke

„Da bist du ja endlich!“, der hat gut reden, der musste sich ja auch nicht mit Stilleinlagen befassen. „Also es gibt Flaschen in verschiedenen Größen, dann gibt es hier Zahlen auf den Verpackungen. Die eine Zahl stehen wohl für das Alter des Kindes in Monaten und die anderen für die Durchlässigkeit der Flasche. Also je nach dem was man mit der Flasche füttern will…“ Ich starre auf das Regal voller Flaschen und Zahlen. War das früher schon so kompliziert? Schließlich entscheiden wir uns für die unserer Auffassung nach richtige Zahlenkombination. Jetzt muss nur noch das schönste Motiv her. Wie immer mein Job. Aber dank Genderhölle ist es leicht. Wenn man nur die Wahl zwischen rosa Feen, blauen Piraten und grünen Fröschen hat, nimmt man eben die Frösche. Beim Schnuller geht das Chaos weiter. „Unter 5 % Saugverwirrung“ steht dort in großen Lettern auf der Packung. Ich habe zwar keine Ahnung, was eine Saugverwirrung ist, aber das klingt doch toll!

Weiter geht es zum nächsten Regal. „Was brauchen wir denn noch?“, mein Mann starrt auf die nächsten 100 verschiedenen Babyprodukte. „Also Steckdosenschutz bestelle ich online, sonst werden wir arm bei unseren vielen Steckdosen … Brauchen wir nicht noch eine Bürste um die Flasche zu reinigen?“ Scheinbar hat er wirklich aufgepasst, als ich ihm heute Mittag die Liste aus der App vorgelesen habe. „Ja such mal….“ rufe ich ihm zu, während ich mich auf die Suche nach einer Schnullerkette mache. „Juhuuuu!!!“ höre ich von seiner Seite des Regals. „Was ist los?“, rufe ich zu ihm rüber. „Es gibt nur eine zur Auswahl!“ „Geil!“. In was für einem Land des Überflusses wir doch leben, dass wir beinah Freudentränen bekommen, wenn wir uns nicht zwischen 10 verschiedenen Produkten entscheiden müssen. „Wie läuft es bei dir?“ „Genderhölle, wie immer!“ ich blicke frustriert auf die zwei zur Auswahl stehenden Schnullerketten. Natürlich in rosa und blau. Diesmal wäre mehr Auswahl doch toll gewesen. Glücklicherweise entdecke ich ein paar Meter weiter die „Öko-Eltern-Ecke“. Hier reiht sich ein öko-zertifiziertes Produkt an das nächste. Ich finde eine bunte Schnullerkette aus Holz und atme auf.

Anleitungen länger als für einen neuen Fernseher…

Nachdem wir noch Nervennahrung für uns gekauft haben machen wir uns auf den Heimweg. Zu Hause werden die Produkte inspiziert. Mein Mann reißt die Verpackung des Flächschens auf, während ich auf der Packung der Stilleinlagen lese. „Waschen sie sich vor jedem Stillen ihres Kindes die Hände.“ Ob das schon vor Corona da stand? Ich stelle mir vor wie mein Baby neben mir im Bett liegt und schreit. Statt es zu stillen erkläre ich ihm, dass Mama nun erst einmal in die untere Etage watscheln muss, um sich die Hände zu waschen. Das ist doch mal wieder alles Schwachsinn!

Mein Mann zieht derweil einen Zettel aus der Verpackung der Babyflasche, der ausgeklappt die Länge unseres Küchentischs übertrifft. „Was ist das?“ ich sehe ihn entsetzt an. „Die Anleitung!“. Ich bin fassungslos. Es scheint so hoch kompliziert zu sein ein Kind irgendwie am Leben zu halten. Ich lese den deutschen Teil laut vor: „Prüfen sie vor jedem Gebrauch das Entlüftungsventil.“ „Ist das ein Auto oder eine Babyflasche?“, fragt mein Mann und knickt in sich auf dem Küchenstuhl zusammen. Wir stellen fest, dass der Schnuller mit einer ähnlich langen Anleitung daher kommt und beschließen alle Produkte samt Anleitungen erst einmal ins Babyzimmer zu verbannen. Und wir dachten es wäre kompliziert einen Kinderwagen zu kaufen…

Schwangerschaftsblog Teil 15 – Lost in der Drogerie – Babyeinkauf Teil 2

Ein Kommentar zu „Schwangerschaftsblog Teil 15 – Lost in der Drogerie – Babyeinkauf Teil 2

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