Der ein oder andere aufmerksame Leser hat es wohl schon gemerkt, ich heiße plötzlich anders. Entgegen vielfacher Vermutung, liegt es nicht daran, dass wir noch schnell geheiratet haben, ehe das Kind kommt. Verheiratet sind wir schon seit 6,5 Jahren, und um ehrlich zu sein, führen wir auch schon genauso lange den Krieg um den gemeinsamen Nachnamen.

Die ewige Diskussion

Nach der Hochzeit hatten wir beschlossen, dass es erst mal völlig okay ist, wenn jeder seinen Namen behält. So hat keiner Stress mit Ummeldungen und alles bleibt beim Alten. Doch schon damals waren wir fest entschlossen, einen gemeinsamen Namen zu wählen, wenn wir einmal Kinder haben. „Ich erleide schon die Geburtswehen, da kannst du wenigstens meinen Nachnamen annehmen. Außerdem ist ein ö total unpraktisch! Da muss man immer ein oe draus machen!“ ich fand, die Argumente lagen ganz klar auf meiner Seite. Mein Mann versuchte verzweifelt dagegen anzukämpfen. „Aber viele Versicherungen und Co laufen doch eh über mich. Außerdem ist D weiter vorne im Alphabet. Wir nehmen einfach Dötsch.“ „Wer will denn schon vorne im Alphabet sein?“ So ging es Jahre hin und her.

Jetzt mit Baby im Bauch höre ich die Uhr ticken. Ich habe keine Lust auf irgendein Chaos im Kreissaal oder später beim Kinderarzt. Der gemeinsame Nachname muss her. Ich schaue meinen Mann mit tiefen Blicken an: „Wie wichtig ist dir dein Nachname?“ Er guckt mich total ernst an: „Sehr, sehr wichtig.“ es kommt mitten aus seinem Herz. Wie soll ich da Nein sagen? Plötzlich weiß ich, es ist das richtige seinen Namen anzunehmen, auch wenn ich Welz bis heute um Längen schöner und praktischer finde. Schweren Herzens stimme ich dem Leben als Frau Dötsch zu.

Nachts erwache ich plötzlich. Wie konnte ich so einem „No-Deal“ zustimmen. Wieso habe ich nicht irgendetwas gefordert. Jahrelang habe ich an meinem wundervollen Nachnamen festgehalten und jetzt lasse ich ihn einfach so ziehen? Das darf nicht wahr sein. Da kommt mir eine Idee. „Schatz??“ mein Mann murrt müde unter seiner Decke hervor: „Ja?!“ „Du hast ja sicher nichts dagegen, wenn ich unserem Baby dann einen Zweitname gebe, den ich aussuchen darf?“ „Ne ne“ er dreht sich um und schläft weiter. Das ging schnell. Hätte ich gar nicht erwartet, schließlich hat er aufgrund seines Zweitnamens ein richtiges Zweitnamen-Trauma.

Panik auf dem Standesamt

Nur ein paar Tage später ist es so weit. Wir sitzen beim Standesamt. „Sie wollen also Frau Dötsch heißen?“, fragt die Standesbeamtin. Dabei spricht sie Dötsch nicht mit einem langen ööööö aus, wie es sich gehört, sondern mit einem kurzen. Sie sagt quasi Döttsch. Ich sehe sie entsetzt an. Vermutlich bemerkt sie meinen entsetzen Blick gar nicht, da er unter der schicken FFP2-Maske versteckt ist. „Naja wollen…. Ja“ murmele ich und gucke meinen Mann genervt an. Die Frau liest mir furchtbare Dinge vor. Der einzige Weg meinen alten Namen zurück zu bekommen ist die Scheidung oder der Tod meines Mannes. Ich muss schlucken. Es fällt mir schwerer meinen Namen gehen zu lassen, als es mir damals fiel die Heiratsurkunde zu unterschreiben. Doch dann denke ich daran, dass wir bald eine kleine Familie sind und durch einen gemeinsamen Namen irgendwie noch mehr zusammen gehören werden, so fühlt es sich in diesem Moment zumindestens an. Gott sei Dank finde ich dieses Gefühl irgendwo tief in mir, sonst hätte ich es wohl nie geschafft meinen alten Namen abzugeben.

Schwangerschaftsblog Teil 12 – Bye, bye Nachname

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