Es ist Ende August. Draußen sind es 40 Grad und ich liege mit mit maximaler Übelkeit auf der Couch und versuche wenigstens ein paar Salzbrezel in mich rein zu bekommen damit der Blutdruck dann vielleicht doch mal über 90/50 ansteigt. So habe ich mir das schwanger sein irgendwie nicht vorgestellt. Aber immerhin musste ich mich noch nicht übergeben, auch wenn ich mich frage, ob es mir nicht vielleicht besser ging, wenn ich einfach mal brechen könnte. So bald ich aufstehe wird mir schwarz vor Augen, der Geruch des Kühlschranks ist für mich unerträglich. Täglich schleppt mein Mann Schüsseln voller Tomaten in die Wohnung. Normalerweise liebe ich Tomaten, jetzt graut es mir schon bei dem Anblick. Also verschenke ich sie großzügig weiter.

Überall glückliche Schwangere in der Werbung

Ich zappe durchs Fernsehprogramm. Scheinbar werde ich seit neustem von Windelwerbung und Werbung für Multivitaminpräparate für Schwangere verfolgt. Natürlich sind die Mamis wie immer überglücklich und topgestylt und auch die Babys schlafen alle durch, jetzt wo sie die tolle Markenwindel habe.

In diesem Spot sitzt eine Frau auf einer Couch sitzt und guckt zu Tränen gerührt auf den Schwangerschaftstest. Die Werbung rät mir schon vor der Schwangerschaft mit den tollen Vitamintabletten zu beginnen. Ich habe sie genau 3 Tage genommen und dann vor Magenschmerzen kapituliert. Nicht ohne schlechtes Gewissen, wie soll mein Kind ohne all die wichtigen Vitamine überleben? „Früher gab es so eine Scheiße überhaupt nicht!“, meinte meine Mutter dazu am Telefon. „Ich hab die nicht genommen, ich musste davon brechen“, sagt meine Freundin. Na gut, so wichtig kann es also nicht sein. Mich macht all die Werbung inzwischen kirre. Natürlich ist längst auch mein Facebookverlauf voll mit dem Kram, schließlich weiß Facebook alles und wenn du vor ein paar Tagen noch gegoogelt hast woran du erkennst ob du schwanger bist, bekommst du nun die passende Werbung angezeigt.

Schwangerschafts-Apps aus der Hölle…

Ein paar Tage später sitze ich mit meinem Mann im Park. Da ich keine Ahnung habe was auf mich zukommen wird, habe ich mir eine Schwangerschafts-App herunter geladen. So macht man das schließlich als junger Menschen, wenn man nicht weiter weiß. Es gibt für alles eine App!

Während mein Mann sich eine Kugel Eis holt, scrolle ich durch die App. „So sieht ihr Kind nun aus“ ich blicke auf einen Zellhaufen. Gut was habe ich in der sechsten Schwangerschaftswoche anderes erwartet. „Hier finden sie Aufgaben für den Tag.“ Ich scrolle durch die Liste. Was sind denn meine Aufgaben in den nächsten Tagen und Wochen? Woche 8: „Entscheiden sie mit ihrem Partner wer die Nabelschnur durchschneidet“ Ich bin kurz davor, dass Handy gegen den nächsten Baum zu schleudern. Als hätte ich jetzt keine anderen Probleme als mich um die Durchtrennung der Nabelschnur zu kümmern. Ich komme ja nicht mal mehr damit klar, dass ich überhaupt schwanger bin.

Wieder wende ich mich verzweifelt an meine Freundin. „Ich weiß überhaupt nicht wer bei meinen Kindern die Nabelschnur durchgeschnitten hat. Ich war so fertig von der Geburt, mir war alles egal. Als würde einen das dann interessieren…“ Ich beschließe erstmal nicht mehr auf die App zu gucken….

Schwangerschaftsblog Teil 2 – Von ekelhaften Tomaten und wahnwitzigen Schwangerschafts-Apps

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.