Ich habe das Gefühl der Umgang mit Müll geht zwischen Dorf- und Stadtbewohnern ziemlich auseinander. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich in meiner Stadt-Zeit, auf dem Weg zum Supermarkt mindestens 2 Monate lang einem Döner der Mitten auf dem Fußgängerweg lag ausweichen musste. Wie konnte es sein, dass dort wochenlang ein Döner auf dem Fußweg vor sich hin verweste? Jeden Tag, an dem ich mit einem großen Schritt über den Döner stieg, sah ich mit Interesse seinen Verwesungszustand an, so etwas hatte ich als Dorfkind noch nie gesehen. Während ich die Fliegen beim Verzehr des Fladens beobachtete, frage ich mich: Könnte das in meinem kleinen Heimatdorf auch passieren?

Vermutlich wäre eine solche „Schandtat“ hier ein Artikel im Blättchen wert. Irgendwo zwischen „Wellensicht entflohen“ und „Kindergartenkinder singen für Senioren im Altenheim“. Und wenn es nicht im Blättchen stehen würde, dann wäre der Döner doch zumindest ein Grund der besorgte Bürger zu einem Beschwerdeanruf beim Bürgermeister motivieren würde.. So geht es ja nicht ein Döner auf dem Boden in unserem schönen Dorf! Das erinnert mich daran, dass ein Nachbar meiner Eltern einmal tatsächlich dem Bürgermeister eine Beschwerdemail geschrieben hatte, weil das Straßenschild nicht regelmäßig geputzt würde. Eine Zeit lang habe er diese monatliche Aufgabe übernommen, doch er sei nicht mehr der Jüngste und könne die Leiter nicht mehr so weit tragen.

Kreative Müllentsorgung in der Stadt

Aber zurück zum Müll. Einen Döner wochenlang in Nieverns Straßen? Das gäbe es vermutlich schon gar nicht weil es hier weit und breit keine Dönerbude gibt. Überhaupt unterscheidet sich der Müll in der Stadt stark von dem Müll im Dorf. In Hamburg war es normal, dass man regelmäßig Kühlschränke, Sofas, kaputte Autoreifen und Co auf irgendwelchen Grünstreifen oder auch auf dem Gehweg antraf und das fernab von der normalen Sperrmüllabholung. Müll gehörte einfach zum Stadtbild dazu. Ich erinnere mich noch gut daran, wie mein Mann und ich ein Fahrrad bei Ebay-Kleinanzeigen gekauft hatten. Denn was ist in der Stadt praktischer als Rad fahren? „Das wird eh spätestens nach einer Woche geklaut, mehr wie 20 Euro geben wir da nicht aus.“ sprach mein Mann, der schon länger in Hamburg wohnte aus Erfahrung.Mit einem 15-Euro „teuren“ Schrottfahrrad stand er am nächsten Tag vor der Tür.

Leider machte Schrotti schon nach einer Woche schlapp. Wir standen mitten auf einer Kreuzung an einer Ampel, als plötzlich nichts mehr ging. Die Schaltung war kaputt, die Kette hatte sich verhakt und Schrotti ließ sich nicht mal mehr schieben. „Was machen wir jetzt damit?“ Ich sah meinen Mann verzweifelt an. „Stell es einfach gegen das Geländer, ist spätestens in drei Tagen eh geklaut.“ Was eine pragmatische Lösung. Und er sollte Recht behalten! Nach 3 Tagen war unser Schrotti weg, ich hoffe an einem besseren Ort. Diese Art der „Müllentsorgung“ wäre in meinem Heimatdorf nicht möglich gewesen.

Von Hundekot und Spritzen auf dem Spielplatz

Müll, der bei uns Dorfbewohnern für Stress sorgt, besteht zu meist aus Tierkot. Vor allem Hundehaufen sorgen regelmäßig für Schlagzeilen im Blättchen. Da helfen auch die neuen Hundekotbeutel-Spender nicht viel, wenn die Hundebeutel dann einfach in die Natur geschmissen werden! Ein Unding! In vielen Gärten im Dorf sieht man Schilder mit der Aufschrift: „Hier ist keine Hundetoilette“ so ein Schild habe ich Hamburg vergeblich gesucht, aber da hatte auch niemand einen Garten. Als die Freundin meiner Mutter mit ihren kleinen Kindern vor Jahren aus Frankfurt zu Besuch kam, durchsuchte sie fleißig den Sandkasten ehe sie ihre Kinder dort spielen ließ. „Was machst du denn da? Hast du Sorgen wegen dem Katzenkot?“ fragte meine Mutter, die noch nie einen Sandkasten durchwühlte hatte ehe sie uns reinließ. „Nein ich suche den Sand auf Spritzen ab.“ „Wo sollen denn hier Spritzen herkommen?“ „Na von den Junkies….“ Ja der Müll in der Stadt und im Dorf unterscheidet sich doch wesentlich.

Das Dönerthema ließ mich nicht mehr los. Ich rief meine Freundin an. Sie war mit mir im Dorf aufewachsen und auch wenn sie nun in Wiesbaden wohnte würde sie sicher Mitgefühl haben. Als ich ihr entsetzt von der Dönersache berichtete antwortet sie: „Ganz normal… hier hat gestern jemand auf den Grünstreifen in der Mitte der achtspurigen Straße gekackt.“ „Ein Hund?“ „Nein, nein ein Mensch.“ Plötzlich schien die Dönersache ziemlich unspektakulär….

Die Sache mit dem Müll

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