Fortsetzung von „Von Nazidemos und dem ÖPNV

Verwirrt stand ich an der Bushaltestelle, besser gesagt am Busbahnhof. Als sei die Demo nicht schon anstrengend genug, war ich auch noch völlig überfordert mit den vielen Bussen. Woher soll man wissen, wo der richtige Bus abfährt? Die Bushaltestellen, die ich bis dato benutzt hatte, waren Bushaltestellen, an denen alle 2–3 Stunden ein Bus in den nächsten Ort fährt, und die es eigentlich nur für Schulbusse überhaupt gibt.

Eine praktische Bus- und Bahn-App gab es vor über 15 Jahren natürlich auch noch nicht. Und wenn, dann hätte ich sie mit dem Nokia-Knochen sowieso nicht nutzen können. Also studierte ich die Fahrpläne und versuchte mich von den „Nazis-Raus“ Schlachtrufen nicht aus dem Takt bringen zu lassen.

Völlig verunsichert stieg ich schließlich in den Bus. „Wo willst du hin? Na da gilt dein Ticket aber nicht mehr? Das ist ja außerhalb des Rhein-Lahn Gebietes? Kostet 7 € extra!“ knurrte mir der Busfahrer entgegen. So viel zum Thema kostenloses Schülerticket. Ich und verfluchte meine Mutter innerlich. Doch nun war ich so froh im richtigen Bus angekommen zu sein, dass mich nichts mehr abhalten konnte. Ich würde heute noch mein Ziel erreichen!

Überforderung im Bus

Der Bus setzte sich in Bewegung und nach ca. einer halben Stunde, wir waren inzwischen irgendwo im nirgendwo, fragte ich mich, wo ich überhaupt aussteigen müsste. Da wir immer weiter in den Wald fuhren, bekam ich langsam Panik. Verzweifelt wühlte ich mein Handy hervor und wollte meine Freundin anrufen. Kein Empfang! War ja klar. Ich sah es schon vor mir „15-jährige von Busfahrer entführt und tot im Wald verbuddelt“. Irgendwann beschloss ich einfach auf den Halteknopf zu drücken, wir mussten bestimmt bald da sein. Schließlich waren wir kurz davor die sehr kleine Landkarte in meinem Kopf, mit den mir bekannten Orten, zu verlassen.

Kurz darauf hielt der Bus an…. mitten im Wald. Hier waren ja nicht mal Häuser! Das konnte doch nur falsch sein. Mit hochroten Kopf blickte ich unter mich. Vielleicht fällt ja niemandem auf, dass ich es war, die auf den Knopf gedrückt hatte. „Wer will denn hier raus?“, rief der Busfahrer in den nur halbvoll besetzten Bus. Eine alte Dame mit Hut und dicker Brille zeigte auf mich „Du hast doch gedrückt. Dann steig auch aus.“ Was nun? Sollte ich mir die Blöße geben vor allen anderen offenbaren, dass ich offensichtlich zu blöd zum Busfahren war? Oder war es doch besser irgendwo einsam im Wald fernab der Zivilisation, ohne Handyempfang zu stehen und zu hoffen, dass noch heute ein Bus in die andere Richtung kam? „War ein Versehen“, murmelte ich Richtung Boden, worauf hin die anderen Fahrgäste kopfschüttelnd vor sich hin schimpften.

Ein paar Stationen weiter fasste ich all meinen Mut zusammen und drückte wieder den Halteknopf. Nun musste ich aussteigen. Es führte kein Weg vorbei, denn natürlich wollte außer mir wieder keiner den Bus verlassen, warum auch? Und eine weitere Demütigung würde meine pubertäre, angeknackste Psyche wohl nicht verkraften. Also stieg ich voller Überzeugung aus. Klar wollte ich hier raus! Es ist ja nicht so, dass wir immer noch mitten im Wald sind und ich noch immer keinen Handyempfang habe..

Verunsichert lief ich nach „Gefühl“ drauf los. Ich durchstreifte circa 2 km lang einen Wald ehe ich endlich an einer Kreuzung war und Handyempfang hatte. Nach weiteren 10 Minuten Fußweg kam ich dann erleichtert bei meiner Freundin an.

Die wohnt auf dem Land! Aber nicht ich! Am Abend rief ich meine Mutter an. Nach der ausführlichen Berichterstattung meiner Anreise sagte sie die erlösenden Worte: „Natürlich hol ich dich mit dem Auto ab!“

Teil 3 – Unbehagen im Bus

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