„Wo bist du?“, ruft mein Mann aus dem Flur. „Hier oben“ rufe ich zurück. Er kommt die Treppe hoch zu mir. „Es ist ganz schön heiß“, sage ich und spüre wie mir der Schweiß über die Stirn rinnt. „Ja ich weiß, wieso bist du denn gerade hier?“ Eine gute Frage. Ich liege im heißesten Raum des Hauses. Hier liege ich eigentlich immer wenn ich eine Pause brauche oder meinen Akku auftanken will. Auch wenn er im Winter der kälteste Raum ist, aber wozu gibt es Decken? „Weil das mein Kraftort ist!“, antworte ich intuitiv.

Doch was ist das eigentlich, ein Kraftort?

Jeder von uns kennt sie, Plätze an denen wir uns ausgesprochen wohl fühlen. Plätze an die es uns nahezu magisch zieht, wenn es uns nicht gut geht. Wenn ich bei meinen Eltern bin, ist es die Küche. Auch wenn das Wohnzimmer mit einer riesigen Couch lockt, sitze ich am liebsten in der Küche. Ich habe keine Ahnung wieso. Wer weniger spirituell veranlagt ist, würde sagen: „Hier ist es am gemütlichsten.“, ich sage gerne: „Hier ist gutes Chi.“

Kraftorte gibt es eigentlich überall. Egal ob es ein Ort in der Natur, in der Wohnung oder auch nur ein bestimmter Platz im Zug ist, wir finden überall Orte an denen es uns besser geht, als anderen. Es gibt Orte, die viele Menschen als besonders „schön“, „gemütlich“, „energiereich“ oder „wohltuend“ empfinden. In meinem Heimatdorf ist es zum Beispiel die Wiese hinter der Kirche, auf der man das Rauschen des Wehres hört oder das Naturschutzgebiet an der Lahn. Andere Orte werden von vielen Menschen als sehr bedrückend wahrgenommen so zum Beispiel ein dunkler Flur im Krankenhaus oder eine Bahnhofsunterführung.

Individuelle Kraftorte

Dann gibt es Orte da scheiden sich die Geister. Während mein Mann es über alles liebt im Baumarkt zwischen den hohen Regalen nach Schrauben oder Kabeln zu suchen, fliehe ich in die Gartenabteilung. Der einzige Ort im Baumarkt, der für mich halbwegs schön ist. Wenn auf dem Sofa ein Kabel liegt, kann ich mich nicht entspannen, ihm hingegen ist es völlig egal. Dafür ist ihm das wundervolle Bild, dass ich an meinen Kraftort gehängt habe „Wumpe“, während es in mir so viel Energie freisetzt, dass ich kaum klarkomme. Als wir im letzten Jahr Bilder von Alexander Gerst in der Raumstation gesehen haben, bekam ich schon beim Anblick von all den Kabeln und technischem Gedöns Beklemmungen. Mein Mann hingegen war begeistert und würde am liebsten gleich losgehen, um all die technischen Details zu erkunden.

So verschieden wir Menschen auch sind, so unterschiedlich sind auch unsere Kraftorte. Um sie zu finden, können wir einfach auf unsere innere Stimme hören. In vielen Ratgebern wird empfohlen sich einen „Kraftort“ zu erschaffen. Motiviert von solchen Ratgebern habe ich die schönsten Ecken mit Blumen, Kerzen und gemütlichen Decken erschaffen, nur um dann doch wieder in meinen ursprünglichen Kraftraum zurückzukehren. Vermutlich lässt sich ein Kraftort nicht erschaffen. Er ist da oder nicht. Wir können ihn, wenn wir ihn gefunden haben, höchstens noch etwas optimieren.

Wie du deinen Kraftort findest:

Du weißt noch gar nicht wo dein Kraftort ist? Achte in den nächsten Tagen darauf, wo du hingehst, wenn es dir schlecht geht. Achte auf Orte, an denen du dich beim Verlasen des Ortes immer besser fühlst als beim Ankommen. Dein Kraftort ist quasi eine Akkuladestelle für dich. Wenn es so einen Ort noch nicht gibt, probiere doch beim nächsten Mal, wenn es dir schlecht geht verschiedene Orte bei dir zu Hause oder in der Umgebung aus. Du wirst sicher schnell merken, wenn du an deinem Kraftort angekommen bist!

Von Kraftorten und Ladekabeln

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