Bevor ich nach Hamburg zog, hatte ich nie das Gefühl vom Land zu kommen. Gut, mein Heimatdorf mit samt seiner 1000 stolzen Einwohner, ist ganz sicher keine Stadt. Doch vom Land kam ich nun wirklich nicht. Schließlich fährt im schönen Nievern jede Stunde eine Bahn in zwei verschiedene Richtungen! Dass die Bahnschranke noch immer mit einer Handkurbel hoch und runtergedreht wurde und mehrmals täglich den Durchgangsverkehr im Dorf lahm legte, hätte mich allerdings schon damals auf die Idee bringen können, dass ich doch eher ein Landkind bin.

Aber zur Schule waren es auch gerade mal 15 Minuten mit dem Fahrrad oder eine Station mit der Bahn. Vom Land, kamen meiner Meinung nach nur die, die im Winter nur peripher in der Schule erschienen, weil Schneemassen sie meist davon abhielten, ihren mit öffentlichen Verkehrsmitteln circa 1,5 Stunden dauernden Schulweg, anzutreten.

Schlittenfahrt auf Tetrapacks

Wenn die Kinder vom Land, im Winter dann doch mal in der Schule erschienen, unterhielten sie sich darüber, ob man schneller auf alten Plastiktüten oder auf zerrissenen Milch-Tetrapacks die Hauptverkehrsstraße morgens um halb 5 im Schnee herunterrutschen kann.

Gerüchten zu Folge trafen sie sich per SMS Frühwarnsystem mitten in der Nacht zu lustigen „Schlittenfahrten“. Man musste sich das in etwas so vor stellen: Wenn nachts einer merkt, dass Schnee gefallen ist, klingelt er alle anderen aus dem Bett um die Zeit zu nutzen bis um halb 6 das Räumauto kam (schließlich führte die Straße zur Mülldeponie und hatte so doch eine ernorme Wichtigkeit) und dem Treiben ein jähes Ende bereitete. Aber das war nicht schlimm, denn um diese Uhrzeit musste man ja eh aufbrechen um pünktlich zur ersten Stunde zu erscheinen.

Warten am Bahnübergang

Wir zivilisierten Kinder aus der „Großstadt“ Nievern hingegen, kamen völlig wetterunabhängig pünktlich zum Unterricht. Es sei denn, wir hatten den richtigen Zeitpunkt zum Losgehen verpasst und standen traurig vor der Bahnschranke, während uns der Zug vor der Nase weg fuhr. Da die Bahnschranke damals noch von Hand hoch gekurbelte wurde, war der pünktliche Zeitpunkt zum Losgehen, für einen Zug der um 7:29 Uhr etwa 7:10 Uhr. Denn auch wenn ich nur 5 Minuten Fußweg vom Bahnhof weg wohnte, war es immer ein Spiel mit dem Feuer später los zu gehen. Denn wer wusste schon ob nicht genau an diesem Tag, die Schranke doch mal 20 Minuten am Stück zu blieb?

Teil 1 – Bin ich ein Kind vom Land?

Ein Kommentar zu „Teil 1 – Bin ich ein Kind vom Land?

  • 13. Juni 2020 um 21:46
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    Obwohl es noch garnicht lange her ist, hatte ich es schon fast vergessen, die Bahnschranke wurde vom Bahnhof aus per Hand runtergekurbelt und macjte dong, dong, dong

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