Lange war er nicht mehr da, der Drang etwas zu schreiben. Der unvorstellbar laute Ruf meines Laptops mal wieder in die Tasten zu hauen. Doch jetzt ist Corona da. Eigentlich nicht erst jetzt, sondern schon seit einigen Wochen. Doch gerade habe ich das Gefühl, die Lage spitzt sich mehr und mehr zu, und ich weiß nicht, wohin mit den Gedanken. Also schreibe ich.

Monatelang habe ich nicht mehr geschrieben, weil es für mich nur die Vorbereitung für die Heilpraktikerprüfung gab und ich quasi rund um die Uhr mit Lernen beschäftigt war. Nun sitze ich resigniert vor meinen Millionen von Karteikarten. Noch ist meine Prüfung nächste Woche nicht abgesagt, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass es bald soweit ist. Ein seltsames Gefühl ewig auf Tag X zu warten und dann verschiebt er sich.

Doch das Leben scheint gerade die Pause-Taste zu drücken. Während für mich als Dorfkind vor einer Woche noch alles so war wie früher. Sogar Toilettenpapier gab es hier stets ausreichend, ist jetzt auf einmal auch hier alles anders.

Kirmes gestrichen, Umwelttag gestrichen, alle Tischtennis-Spiele abgesagt. Irgendwie stellt man sich die Frage, was man überhaupt noch machen kann oder darf.

Soll man sich möglichst die nächsten 3 Monate einsperren und warten bis Corona verschwunden ist? Soll man alle Besuche bei Freunden, Geburtstage, Trauerfeiern, Kommunionen absagen? Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung.

Von Corona-Stress und Entschleunigung

Vielleicht tut unserer schnellen Welt ein bisschen Entschleunigung aber auch mal ganz gut. Mal nicht mehr durch die Gegend reisen, mal keine Termine haben, weil alles abgesagt ist. Einfach mal zu Hause sitzen und über das Leben nachdenken, kreativ sein, ein Buch lesen was auch immer…

Wobei es auch nicht für alle entschleunigend ist. Denn wer jetzt im Homeoffice sitzt und nun auch noch zwei Kinder von zu Hause aus betreuen soll, weil die Kita zu ist, der wird Corona ganz sicher nicht als Entschleunigung erleben. Wer im medizinischen Bereich, in der Eventbranche oder im Tourismus arbeitet, wird auch nicht von Entschleunigung sprechen. Vermutlich gibt es noch ganz viele andere Menschen, für die Corona in erster Linie eins bedeutet: Stress.

Und selbst für die, für die Corona beruflich erst einmal kein Stress bedeutet, wird es stressig. Es ist stressig, wenn es überall nur ein Thema gibt. Wenn selbst die Sozialen Medien, die wir sonst so gerne nutzen, um unser Gehirn abzuschalten, nur noch voll sind mit Diskussionen über Desinfektionsmitteln, Hamstereinkäufen, Verzweiflung, Angst und Panik.

Einsamkeit als Stressfaktor – neue Medien als Chance

Wenn die Hobbys, die für viele Menschen so wichtig sind, weil sie die einzigen sozialen Kontakte sind, ausfallen, dann bedeutet das Stress. Kein Terminstress, nein, sondern seelischer Stress.

Menschen brauchen Menschen. Sie brauchen jemand, mit dem sie sich austauschen können, mit dem sie weinen und lachen können. Der ihren Horizont erweitert und an dem sie wachsen können.

So stressig all die negativen Nachrichten, die uns von den Medien eingespült werden auch für uns sind, bin ich doch dankbar jetzt zu leben.

In einer Zeit in der soziale Kontakte auch über Whatsapp, Telefon oder Skype gehalten werden können. Sodass man Menschen, die man liebt, sehen kann ohne sie unnötigen Risiken auszusetzen. Eine Zeit in der ein Überangebot an Filmen, Musik und Podcasts dafür sorgt, dass man zumindest keine Langweile hat, wenn man nicht seinen normalen Beschäftigungen nachgehen kann. Eine Zeit, in der Austausch auch im Internet statt finden kann. Eine Zeit, in der Bildung über die Ferne möglich ist. Eine Zeit, in der man nicht mehr in die Bücherei gehen muss, um Bücher auszuleihen. Eine Zeit, in der man im Notfall alles zu sich kommen lassen kann und das Haus nicht verlassen muss.

Wie mich Corona wieder zum Schreiben bringt…

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